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Letzte Aktualisierung Januar 2012 |
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Berichte, Kommentare Januar 2012Unsere
Zeit: auf gutem globalesischen Weg The
Super-Europeans! – eine interessante kulturelle Bereicherung bietet
uns DIE ZEIT, unsere große „Wochenzeitung für Politik
Wirtschaft Wissen und Kultur“ (No. 50/2011): Alle Artikel zum Thema
„Europa“ erhalten neben einer für alle deutschen Leser verständlichen
Überschrift einen „Leitspruch“, bei dem es allerdings ein paarmal nur
zu einer „Translation“ reicht – auf Englisch, versteht sich. Die
zehn Beispiele für das internationale Bemühen der ZEIT-Menschen möchte
ich niemandem vorenthalten: -
Oh Gott, die EU wird spannend! / Goodness Gracious, the EU is Exiting
After All (hier ist auch die “neue“ –
internationale – Rechtschreibung bemerkenswert!) - Mehr Geld ist auch keine Lösung / Money Can’t Buy
Europe - > Der Euro ist kein
Ziel< / The Euro is a Means, Not an End - Wir – Super-Europäer
/ The Super Europeans - Das Leben der anderen / Living the Euro Beyond Borders - >Eine Ära geht zu Ende< / An era comes to an
end - Geht es auch ohne die
Briten? / Can we do without the British, anyway? - Jetzt mal ehrlich! /
Honesty is the Best Policy - Europas sieben Sünden / Seven Sins of Europe - Nicht ohne uns /
Exclusion is Not a Solution Wir
können – neben den ganz neuen Rechtschreibregeln – erkennen, dass die
deutsche Sprache offenbar nicht all das ausdrücken kann, was die Autoren
dieser Texte uns eigentlich schon in der Überschrift sagen wollten...
-jo- Dezember 2011Herbstbilder
in Deutschland
Belarethyscher Oktober: Schürrle, Götze, Croos – das sind Namen, die wir im nächsten Jahr wiedersehen werden. Ohne die beiden Leader spielen sie mit den Holländern heute Katz und Maus, weil dieses System beherrscht die Mannschaft.(Wie geht das?) Aber Aogo als Back-up für Lahm, das reichte nicht. „Euphorie konservieren“ – das ist die Message ... „Fernseh-Werbung“: eine (Bilder-)reihe von Beispielen offensichtlich gut integrierter Migranten – alle sind fröhlich – (Stimme aus dem „Off“): Was haben alle diese Menschen gemeinsam? (Antwort): Ihre Kinder spielen in der deutschen Nationalmannschaft. (Es ertönt die Nationalhymne
Einigkeit und Recht und Freiheit) Die Kamera fährt die Reihe unserer Fußballspieler entlang: Özil,
Khedira, Podolski, Klose etc. Keiner singt mit ... Das sprachliche Highlight: „Das Zertifikat soll vom Goet – heinstitut oder eines anderen lizensierten Instituts ausgestellt werden“, so „ivr“ im Buchholzer „Nordheide-Wochenblatt“ (unter der Überschrift „Sprache als Schutz vor Missbrauch“). Da erhebt sich doch die Frage: Wer schützt die Sprache?
-jo- November 2011Die
„neue Rechtschreibung“ wird weiter reformiert. Jetzt kommt die Rechtschreibung
XXXL: Diesmal aber nicht von einer Expertenrunde oder den
Kultusministern, sondern vom „Volk“ selbst und zwar vom Volk der
Werbetexter (und derer, die sonst auch gerne „texten“). Und da gelten
keine strengen Regeln mehr, sondern die Schriftsprache wird frei
gestaltet, und überhaupt: Das darf man alles nicht so eng sehen ...: Da werden jetzt Substantive (also Hauptwörter) direkt und groß aneinander geklatscht (oder doch noch „aneinandergeklatscht“?): also SnoreMender, NorisBike, CrackerJacks, TennisPoint, KulturPunkt (in Moisburg); es gibt die StayFriends GmbH und die GeloRevoice-Halstabletten und in Buchholz haben wir die NordHeideHalle. Aber nicht nur Hauptwörter darf man jetzt frei gestalten: ein neues Deutsch-Fachbuch (Schöningh-Verlag) hat den Titel EinFach Deutsch. (Klar, soll ein Wortspiel sein). KiTas gibt es schon ’ne ganze Weile, naja und die SharedSpaces gehen uns gar nicht mehr aus dem Kopf und bei Cora und Harry in Hamburg kann man das WingWaveCoaching lernen. Überhaupt,
die Großschreibung, die ja das ganze Schreiben im Deutschen so erschwert,
weil wir uns immer noch gegen das konsequente Kleinschreiben wehren! Die
Amerikaner machen es sich da leichter: entweder alles klein oder eben
alles groß: „Two And A Half Men“ ist beispielsweise ein
Filmtitel, „Santa Claus Is Coming To Town“ ein X-mas Hit
und D. Parkers kleine Erzählung heißt You Were Perfectly Fine,
und dann gibt es noch den Coming Of Age-Roman. Und so singt dann
auch Helene Fischer mit ihrer schönen Stimme „Für Einen Tag“. Andererseits
schreiben wir aber auch klein, wenn es amerikanischer wirken soll, z.B.
eine „stay-behind-Struktur“ (-9- S.137), die „visual’select-Serie“,
und „no-sex-Paare“ sind uns ja schon lange ein Begriff. Und weil wir gerade über Amerika sprechen (wo der Wortschatz ja ständig wächst), übernehmen wir jetzt auch alle passenden Zahlen und einverleiben sie unserem Thesaurus: Stars4kids (s.oben), CDU – just4you, “fashion 4 home”, ja und sogar den berühmten afrikanischen Coffee togo entdecken wir in Harburgs City neu als Coffee2go. Auch der gute alte Bindestrich fristet nur noch ein kümmerliches Dasein: Da gibt es zwar noch das Heinrich-Heine-Gymnasium und die Immanuel-Kant-Schule in Hamburg, aber schon lange schwimmt auf dem „Schiffwasser“ in Bergedorf die Serrahn Lady, gibt es die Bucerius Law School (Hamburg) und die East Side Gallery (Berlin), den New Faces Award (Berlin), den Front Office Assistant Manager, ein (oder doch einen?) Wedding Planner, das After Christmas Shopping, das World Wide Weihnachtsnetz, den Water Walking Ball und die Interaktive Drum Events (in Neu Wulmstorf). Aber
auch bei „deutschen“ Bezeichnungen hat der „Binder“ ausgedient: im
Steffi Graf Stadion (Berlin), bei der BOELL Stiftung
(Berlin), bei der Open Air Data Konferenz und den Hamburger
Literatur Reisen (Hamburg), beim Trelder Berg Fest und dem Lions
Club Konzert (lt. Nordheide-Wochenblatt Buchholz), bei der Zentrale(n)
Intelligenz Agentur (München) und den Nordheide Spatzen in
Hanstedt. Und die berühmte HU, die Humboldt-Universität in Berlin (das
ist die mit der KOSMOS Summer School), kreierte kürzlich die Kick-off
Exzellenzinitiative. Wen wundert es da, dass das
Udo-Lindenberg-Musical HINTERM HORIZONT im Holiday Inn Berlin
City East performt wird? Und
zu guter letzt: Ein
Buchholzer Sportgeschäft schreibt mir – offenbar in der Annahme, ich
spielte noch Basketball – : „Wir bedunken uns und schenken Euch
20% auf alles!“ Dazu fällt mir nur ein Wort ein: „Feelen Dunk!“ -jo- September 2011Auf
die sprachschöpferischen Kräfte unserer Bundeskanzlerin hatten wir schon
anlässlich ihrer Begeisterung bei der Frauenfußball-WM vor einigen Tagen
aufmerksam gemacht. Auf ihren Spuren und auf jenen der bisher unübertroffenen
Carmen „Okay“ Nebel wandelt jetzt die Kulturstadt Buchholz in
der Nordheide: klar und einfach erklärt sich der zentrale Kulturtempel
der City, die Empore: „20
Jahre tolles Team 20
Jahre tolle Künstler 20
Jahre tolles Publikum 20
Jahre Kulturstadt Buchholz Buchholz
sagt Danke!“ (Ich
auch) Und ich frage mal: Ist es nicht toll, dass unsere Kulturkämpfer unsere Sprache ständig einfacher, klarer und praktischer gestalten, dabei Unnötiges, Überflüssiges und – vor allem – Veraltetes entfernen und dadurch den Menschen in unserm Land wieder den Mut zurückgeben, Eloquenz zu zeigen mithilfe jener bisweilen ein wenig spöttisch „Neudeutsch“ bezeichneten Pidginsprache? Dabei glänzt dieses Idiom doch quasi „runderneuert“ durch seinen global überformten Wortschatz, durch flexionsfreie Attribute und real vereinfachte Satzformen, obwohl es ist nicht leicht, die richtigen Vokabeln zu finden, weil man ist nie ganz sicher, ob einen alle verstehen. Aber, mal ehrlich: Ist es nicht ungeheuer praktisch, ein Wort für so viele (im Grunde ja doch ganz unnötige) Nuancen zu haben?„großartig“, fantastisch“, „begeisternd“, „begeistert“, „hervorragend“ – alles weicht dem „Tollen“. In Buchholz reicht da ein Wort. Wahnsinnig! finde ich, richtig geil! Oder nehmen Sie das Wort „cool“: es enthebt uns der anstrengenden Unterscheidung, ob ein Elfmeter auf dem Fußballplatz jetzt „eiskalt“, „gekonnt“, „meisterhaft“, „souverän“ oder „locker“ verwandelt wurde. Und den Rest der heutzutage gebräuchlichen Adjektive übernimmt ohnehin das Wörtchen „spannend“ ... Darin
liegt der Fortschritt, man könnte auch sagen „der spannende
Fortschritt“: die Kunst, mit immer weniger Vokabeln auszukommen. Und
fehlt uns wirklich mal ein Wort, dann hilft uns die Muttersprache der „führenden
Kulturnation der Gegenwart“ (so DIE ZEIT, die Hauspostille der
Intellektuellen). Echt
cool, finde ich.
-jo- August 2011Statt eines Kommentars: In
Italien gibt es jedes Jahr im Mai den Giro d’Italia. In
Frankreich läuft im Juni die Tour de France. Spanien
krönt seine Radsaison im August mit der Vuelta a Espana. In
welchem Land heißt das wichtigste Radrennen wohl Vattenfall Cyclassics?
(gesprochen:
„sseiklessiks“) -jo- Juli-Glosse„Sprachschöpfung auf höherer Ebene“Vier (oder waren es doch fünf?) Sätze gab unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Halbzeitpause des Eröffnungsspiels zur Frauen-Fußballweltmeisterschaft in Berlin zum Besten. Drei davon habe ich behalten: „Es ist toll: die ganze Welt ist da!“ „Eine
ganz tolle Kulisse!“ „Es
ist ganz toll, wie sich Deutschland präsentiert.“ Frau Bundeskanzlerin, wie meinten Sie das? „Ja,
es ist einer der Fälle, der sehr schnell auch Wirkungen in der tatsächlichen
Realität finden wird. Ein Fall mit erster Priorität gewissermaßen,
wenn ich Frau Cornelia Prüfer-Storcks, die
Hamburger Gesundheitssenatorin, zitieren darf.“ Frau
Bundeskanzlerin, das finde ich definitiv total sympathisch, weil – das
hatten wir echt noch nie so authentisch.
-jo-
Der regionale Leserbrief des Monats: Unser
Vereinsmitglied Gerhard Nöthlich
schreibt dem Bekleidungsgeschäft Hagemeyer
in Minden Stadthagen als Reaktion auf dessen Herbstkatalog mit der Werbung
von Roy Robson, „der Marke der Verbundenheit“, in der es von englischen Vokabeln
trieft: Meeting, After work, Outfit, Basics, Natural Stretch, Style,
Freestyle-Programm, gut gestylt, Business-Trip, Business-Anlass,
Business-Hemd etc. Natürlich
in Business-Sprache: Dear
Sir, as you may deduce from the
enclosed copy I am in contact with the „Verein Deutsche Sprache,
Dortmund”. One of your latest brochures
advertising ‘Roy Robson pp.’, linguistically in a sort of
Pidgin-German with snob-appeal, I found so utterly ridiculous that I think
it is worth gaining some publicity. In the hope that the afore
mentioned „Verein Deutsche Sprache” will make use of the exceptional
material which you and your company produced I remain Yours sincerely G.N. Juni Kommentar„Volkswirtschaftlcher
Wahnsinn“ Weg
mit dem Vatertag – schreibt ein Jörg Dammann dieser Tage im Nordheide-Wochenblatt
und erklärt uns „Der Himmelfahrtstag ist ein volkswirtschaftlicher
Wahnsinn“ und überhaupt: jeder Feiertag drücke das
Bruttoinlandsprodukt um rund eine Milliarde Euro. Sollte
man da nicht besser Pfingsten gleich mit abschaffen? Was könnte man mit
den ganzen Milliarden nicht alles Schönes kaufen: Man könnte Banken
retten, den Griechen helfen, Elbphilharmonien bauen oder Autobahnen. Statt
seine Kritik an der Gestaltung des Himmelfahrtstags durch überwiegend
junge Männer, die keine Väter sind, dort anzusetzen, wo das Übel begründet
ist, nämlich am immer noch steigenden Alkoholkonsum immer jüngerer
Menschen, stimmt unser Journalist – politisch korrekt – in den
Chor jener unheiligen Allianz ein, der – bis hinauf in höchste
EU-Kreise – alles Christliche suspekt ist: „Religious
holidays may not be mentioned at all to avoid any controversy”,
lautete die letzte Weihnachtsbotschaft aus Brüssel. Seitdem
bemühen sich junge deutsche Politiker nach Kräften um die Einschränkung
bzw. die Abschaffung christlicher Feiertage: den Bremer SPD-Nachwuchs
Maurice Mäschig stört die Karfreitagsruhe bei seiner
Selbstverwirklichung und der Landesvorsitzende der Grünen in NRW Sven
Lehmann erklärt, es könne nicht sein, dass eine (christliche)
Minderheit der Mehrheit in unserm Land „den Abend vermiese“. (Den
Morgen vermiesen uns ja schon die Kirchenglocken, mit denen immer noch
zahlreiche Gemeinden auch in unserm Landkreis ihre „Minderheiten“ zum
Gottesdienst einladen). Sollte
man alles schleunigst ändern, dann kann ich endlich ausschlafen ...
-jo-
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